Mande Kora

Kora Guide

Der Bau einer Kora ist der Beginn einer musikalischen Reise.  Und die Auswahl und Kombination der richtigen Materialien ist nicht weniger wichtig als jeder andere Schritt, bis zum Aufziehen der Saiten.


Der Prozess des Korabaus beginnt bereits mit der Auswahl der Materialien. Kein Kürbis ist wie der andere. Der Kürbis ist der Resonanzkörper. Daher bringt eine jede Kora ihren eigenen Resonanzkörper mit. Da der Kürbis als Klang-Grundlage immer etwas einzigartiges Darstellt, ist die Auswahl und Kombination mit all den anderen Materialien ebenso entscheidend. Genau wie der Kürbis ist die Haut eines jeden Tieres unterschiedlich und auch jedes Sück Holz hat seinen einzigartigen Wuchs.

Besonders an der Kora ist, das kein Teil verleimt oder geklebt wird. Alle Teile der traditionellen Kora können mit einfachsten Mitteln hergestellt werden.

Wir verwenden für unsere Koras moderne Stimmmechaniken wie sie auch im Gitarrenbau verwendung finden.

Üblicherweise wird eine traditionell gebaute Kora jedoch mit Ringen gestimmt, welche auf dem runden Steg gedreht werden um die Saitenspannung zu erhöhen.




Der Kürbiss

Die großen Kürbisse sind der wohl besonderste Teil der Kora.

Für den Korabau wird der Boden von riesigen Flaschenkürbissen verwendet.
Wir wissen bisher nicht ob diese Kürbissorte auch in Deutschland wachsen würde. Im nächsten Jahr werden wir versuchen hier eigene Kürbisse zu ziehen.

Bis dahin beziehen wir unsere Kürbisse direkt aus Gambia. Hier wählt Dembo Jobarteh gerade einige Kürbisse für den Korabau aus.

Die Größe und Wandstärke, sowohl als die Form, sind immer etwas anders. Daher ist es entscheidend nun die richtige Auswahl zu treffen, welches Holz passend ist.

Holzbearbeitung: Das Sägen

Als nächstes kommt das Holz ins Spiel. Hierbei gilt es genau zu untersuchen, welches Holz geeignet ist für den Bau einer Kora.

Das Besondere an der Kora und ihrer ganzen Verarbeitung, ist das kein Teil geleimt oder geklebt werden muss. Es gibt einen langen Steg in der Mitte, über welchen alle Seiten laufen. Oberhalb des Kürbiss, kommen die Saiten alle Mittig aus dem Holz und sind unter bzw übereinander aufgereiht.

Dies ist eine Herausforderung schon beim Finden des passenden Holzstücks. Oftmals sind Tonhölzer welche beispielsweise für den Gitarrenbau verwendet werden viel kürzer und dünner.

Das Holz wird zuerst in zwei Teile gesägt. Die eine Hälfte wird für den Steg verwendet. Die andere Hälfte wird nochmal zweimal geteilt. Hieraus entstehen später die "Handlebars". die Griffe an welche die Hände zum spielen gelegt werden.



Holzbearbeitung: Hobeln

Nun folgt der längste Teil des Korabaus. Das Formen des Holzes. Hier wird gerade der Steg auf welchem die Saiten später aufgezogen werden mit einem Handhobel bearbeitet.

Hierbei gibt es vor allem zu beachten: Stück für Stück und langsam vorwärts tasten. Denn einmal zuviel abgehobelt, kann es passieren, dass der ganze Steg seinen Verwendungszweck verliert. Da das Holz in Fasern wächst, gilt Acht zu geben, denn es passiert leicht, das Holz spaltet.

Holzbearbeitung: Schnitzen

Das Hobeln ist eine Form zur gewünschten Form zu kommen, das Schnitzen ist eine weitere welche im Korabau verwendung findet.

Hier wird das Holz genauer geformt als beim Hobeln. Es kann sehr viel Holz mit einem Schlag abgeschlagen werden oder nur sehr wenig, sehr fein. Ich arbeite meistens mit Druck und ohne Hammer. Nur so kann wirklich präzise eine Form entstehen.

Alle Holzstücke welche zur Kora gehören werden auf diese Weise bearbeitet.

Eine weitere Möglichkeit ist das Drechseln der Handlebars, der Rundstäbe. Dafür wird eine Drehbank benötigt.


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Der Kora Körper

Für den Kora Körper wird der Kürbis auf der Innenseite mit einem Metal-Ring versehen. Dieser schützt den Rand vor dem Kollabieren und macht eine viel höhere Oberflächenspannung möglich als ohne Ring.

Das Bild ist noch der Pure Kürbiss ohne Metal Ring.

Die Rohhaut wird eine Nacht zuvor in Wasser eingelegt, damit sie am Tag der Verarbeitung weich und geschmeidig wird. Doch auch nach dem Einweichen ist die Haut sehr zäh und  kaum elastisch.

Dazu massiere ich die Haut nach dem Einweichen mit einem großen Runden Flußstein.

Auch die Haut über Kanten zu ziehen bringt etwas Geschmeidigkeit dazu.

Die Haut wird aufgezogen

Hier sehen wir wie erst die Haut ausgebreitet wird und dann der Kürbiss (mitsammt Metal-Ring im Innenraum) darauf gelegt wird.

Die Haut ist, bei aussreichender Größe, im besten Fall als Kreis ausgeschnitten. Es geht nun darum die Haut um den Kürbiss zu spannen.

Wie auf dem Bild zu sehen werden dazu Löcher in die Haut gestochen und geschnitten und zwar am äußersten Rand und rundherum.


Spannung

Nun wird in einem speziellen Muster eine Schnur durch alle Löcher gezogen, meistens in sternenförmiger Reihenfolge.

Dann wird das ganze auf Spannung gebracht. Und zwar nicht zu knapp! Es ist eine reine Gefühlssache, die Haut auf maximale Spannung zu bringen ohne durch die Schnur die Haut zum reißen zu bringen.



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Die Handlebars

Nun wird es nochmals spannend, denn die zuvor gefertigten Handlebars, also die Griffe, werden unter die Haut gebracht.

Dazu braucht es ein genaues Maß, Geduld, Kraft und Glück.

Denn es sollte nicht passieren, dass ein Holz bricht.


Die Nägel

Nun kommt es zum geduldigen Einschlagen oder Eindrücken der Nägel. Mit diesen Metalstiften, meist Polsternägel, wird die Haut auf Spannung gehalten. Die Polsternägel müssen einen geschloßenen Kreis bilden so das die Haut nirgendwo an Spannung verlieren kann. Es braucht also Zeit bis alle Nägel an ihrem Ort sind. Für eine Kora werden hunderte Nägel verbaut.

Die Gestaltung kann hier ganz unterschiedlich und individuell Ausfallen. Wichig ist nur das die Haut mit genügend Nägeln befestigt wird. Ob diese gerade, oder in Wellen und anderen Mustern eingeschlagen werden ist individuell unterschiedlich.


Trocknung

Die Kora wird nun eine ganze Weile sich selbst überlassen denn die Haut muss in der Sonne trocknen. Und das macht sie am besten ganz alleine. Es muss dafür wirklich heiß sein, denn wenn die Haut nicht richtig abtrocknen kann verliert sie Spannung und beginnt unangenehm zu riechen.

Ein paar Stunden sollten das Sonnenbad am ersten Tag durchaus dauern. Und auch die drauffolgenden Tage wird die Kora weiter getrocknet.


Stimmmechaniken

Nun werden in genauer Feinarbeit dir Stimmmechaniken an den Kora Hals angebracht.

Dazu wird der Steg mit Löchern versehen. Bis zu 44 an der Zahl. Diese werden am besten mit einer Stand-Bohrmaschiene gebohrt.

Es gibt natürlich auch andere Arten die Saiten auf eine Kora zu ziehen. Auf diese gehe ich aber ein anderes Mal ein. Hier auf dem Bild werden gerade die Stimmmechaniken für die tiefen Saiten angebracht.


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Saiten aufziehen.

Nachdem nun alles zusammengesteckt wird, müssen die Saiten auf die Kora gezogen werden. Dies haucht der Kora quasi ihr Leben ein. Und da eine Kora sehr viele Saiten hat, muss ein jeder der dieses Unterfangen annimmt, genügend Zeit und nerven mitbringen. Den nun heißt es: Kurbeln, Kurbeln, Kurbeln.